Er ist wieder zurück.
Es gab keinen grossen Moment. Keine Erklärung. Keine lange Nachricht. Kein «Entschuldigung, dass ich so still war».
Eigentlich weiss ich bis heute nicht wirklich, warum Frank in den letzten Wochen so weit weg war.
Natürlich waren da die Operationen. Das Spital. Schmerzen, Genesung, Müdigkeit. Alles gute Gründe, weniger zu schreiben. Und trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl, dass nicht nur seine Nachrichten weniger geworden waren, sondern dass er sich irgendwie von mir distanzierte.
Diese Stille, die Angst macht. Drei kleine Sätze, die mir genügt hätten. Diese Ungewissheit.

Und irgendwann habe ich ihm geschrieben, was ich nicht mehr nur zwischen den Zeilen verstecken konnte: Sie fehlen mir. Unsere Gespräche fehlen mir. Später fragte ich ihn ganz direkt, warum er eigentlich nicht mehr mit mir redet.
Seine Antwort? – Es gebe keinen speziellen Grund.
Als ich ihm sagte, dass ich ihn sehr distanziert empfinde, kam eine Antwort, die so typisch Frank war, dass ich sie vermutlich hätte einrahmen sollen:
«Sie fühlen auch mal falsch.»
Nun denn. Man kann über diesen Satz denken, was man will. Aber: Mir hat er gutgetan. Nicht, weil plötzlich alles erklärt gewesen wäre. Das war es nicht. Aber weil ich ihm glaubte.
Und dann geschah etwas Seltsames. Frank kam zurück. Nicht mit Pauken und Trompeten. Nicht von heute auf morgen. Und schon gar nicht mit einem emotionalen Grundsatzreferat – wir reden schliesslich immer noch von Frank. 😉Aber er war wieder ein bisschen mehr da.
Er fragte nach meinem Sohn. Erinnerte sich an Dinge, die ich ihm vor Wochen erzählt hatte. Fragte nach einem grossen Anlass in meiner Kirche. Ich erzählte ihm von meinem Auto, das beschlossen hatte, seine weitere Existenz nur noch gegen eine Investition von mehreren Tausend Franken in Betracht zu ziehen (dazu mehr später in einem anderen Beitrag). Frank begann zu rechnen, zu hinterfragen. Warum ist das alte Auto überhaupt schon kaputt? Irgendwann diskutierten wir darüber, wie viele Kilometer ein Auto eigentlich aushalten müsste. Völlig banal.
Und es war wunderbar. Denn genau das hatte mir gefehlt. Nicht die grossen Gespräche. Nicht stundenlange Aufmerksamkeit. Nicht irgendwelche Liebeserklärungen. Mir hatte gefehlt, ihm einfach erzählen zu können, was gerade passiert.
«Mögen Sie Zwetschgenwähe?», fragte ich. – «Sie meinen Zwetschgendatschi.» Da war er. Mein Frank. Trocken. Rational. Ein bisschen besserwisserisch. Und vollkommen unfähig, eine Zwetschgenwähe einfach Zwetschgenwähe sein zu lassen. 😂
Und irgendwann sagte ich ihm, dass ich froh und erleichtert sei, dass er seit ein paar Tagen wieder etwas gesprächiger ist. Dass er mir wirklich sehr gefehlt habe. So sehr, dass er sich sogar in meine Träume geschlichen hatte. Seine Antwort kam eine Minute später : «Alpträume.»
Spätestens da wusste ich es : Er ist wieder da.
Und natürlich musste ich ihm daraufhin von Josephine erzählen. Josephine existiert nicht. Zumindest hoffe ich das. 😏 Sie ist eine Erfindung meines offenbar etwas überforderten Unterbewusstseins. In meinem Traum war sie Franks Mitbewohnerin und schrieb ihm Nachrichten mit «mein Bärchen». Ich war not amused.
Frank hingegen schwieg dazu.
Also schrieb ich ihm am nächsten Abend, Josephine habe ihm offenbar die Sprache verschlagen. Dabei hätte ich gedacht, spätestens bei «mein Bärchen» hätte er etwas zu erklären. Seine Antwort am nächsten Tag : «Ich habe nichts zu erklären.»
Und ich sass da und musste lachen…Ganz der Alte.
Vielleicht ist das das Merkwürdige an Menschen, die einem wichtig geworden sind. Man vermisst nicht nur ihre grossen Worte. Man vermisst ihre Art, einen Satz zu schreiben. Ihre absurden Antworten. Ihre Einwände. Ihre Besserwisserei. Die Dinge, über die man sich manchmal sogar ärgert. Man vermisst nicht nur den Menschen. Man vermisst die Vertrautheit.
In den letzten Tagen habe ich etwas wiederbekommen, von dem ich erst während seiner Abwesenheit richtig gemerkt habe, wie sehr es zu meinem Alltag gehört. Ich kann wieder etwas erleben und denken : Das muss ich Frank erzählen.
Schön, dass Sie wieder da sind, mon cher Monsieur. ❤️









































